Tierärztliche Gemeinschaftspraxis und Praxis für Verhaltenstherapie Dr. med. vet. Iris Schulte Dr. med. vet. Ronald Lindner Zusatzbezeichnung Tierverhaltenstherapie Tel:  0341 / 3584660 Mobil: 0175 / 3800352 Alzheimer beim Hund? Der alternde Hund – Risiken und Chancen im Alltag: Die Fortschritte in der Tierernährung und auf dem Gebiet der Veterinärmedizin führen zu einer  deutlich erhöhten Anzahl älterer Hunde. Allein in den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil von  Hunden > 8 Jahren von ca. 25 auf 35 % gesteigert. Demzufolge wächst auch der Anteil von  geriatrischen Patienten in der tiermedizinischen Praxis. Ein regelmäßiger Gesundheits-Check  beim Haustierarzt kann helfen, Herzkreislauferkrankungen, orthopädische Leiden (Gelenk- oder  Bandscheibenprobleme) oder Tumorerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.  Das häufige Problem des Übergewichts kann häufig durch eine Ernährungsumstellung in  Verbindung mit einer maßvollen und regelmäßigen körperlichen Bewegung behoben werden.  Diese fördert die Sauerstoffversorgung des Organismus, trägt zum Stressabbau bei und hält  Gelenke und Muskulatur fit. Dabei müssen die sportlichen Anforderungen an die jeweilige  körperliche Verfassung des Hundes angepasst werden. Kurze Sprints und Stopps (beim  Ballspielen) sind für gelenksmüde Senioren ungeeignet. Besser sind regelmäßige Spaziergänge  und Schwimmeinheiten, bei denen der Hund sein Tempo selbst bestimmen kann.   Viele Hundebesitzer beschreiben ihr Verhältnis zum alten Hund als besonders intensiv und  innig, sind doch Mensch und Tier über die Jahre gemeinsam ein Team geworden.  Altersbedingte Verhaltensprobleme beim Hund – der geriatrische Patient: Sind körperliche Veränderung (HD-Problematik, Arthrose, HKS-Symptome, u.ä.) meist für  jedermann sichtbar, wird jedoch der Haustierarzt relativ spät konsultiert, wenn es sich um  entsprechende Verhaltensauffälligkeiten (plötzliche Unsauberkeit, Desorientierung, Ängste und  Phobien, Phasen allgemeiner Demenz, Schlafstörungen, andauerndes Bellen, Trennungsangst,  plötzliche Aggression u.a.) handelt, die der alternde Hund dann immer häufiger zeigt. All diese  Veränderungen können die Lebensqualität der Tiere und deren Verhältnis zum Besitzer  erheblich einschränken. Meist befinden sich die betroffenen Tiere in einem Alter zwischen dem  7. – 11. Lebensjahr.  Der Alterungsprozess bei Hunden bedingt neben dem körperlichen auch einen geistigen Abbau,  d.h. es kommt zu Veränderungen im Zentralnervensystem (Neurotransmitter = „Botenstoffe“ im  Gehirn - verändern ihr Gleichgewicht, freie Radikale, Amyloid-Plaques, und meningeale  Fibrosen bilden sich und führen als sogenannte Zellgifte zu Nervenschäden und  Degenerationen). Diese pathologischen Veränderungen in den Hirnbereichen Hirnrinde und  Hippokampus gleichen denen bei Alzheimer-Patienten beim Menschen.  Das zunehmende und extrem lang anhaltende Vokalisieren (Bellen auch z.T. „aus dem Nichts“),  die verlängerten Ruhe- und Schlafzeiten am Tage, plötzlich auftretender Trennungsstress,  verringertes Interesse an der Umwelt (Spiel, andere Hunde, Besitzer – Ignorieren von  Kommandos bzw. „Das – an – Besitzern – Vorbeilaufen“ oder der „Starre Blick“), die Zunahme  der Aggressivität gegenüber Tier und Mensch und eine bestehende Unsauberkeit im Haus  weisen meist zuerst auf den Beginn einer Cognitiven Dysfunktion (CD) hin. Diese CD ist eine  Alzheimerähnliche Erkrankung beim Hund, welche besonders bei älteren Tieren zu  Verhaltensänderungen führt.  Die Anzeichen der CD werden von den Besitzern oft als normale Alterserscheinungen  fehlinterpretiert und deshalb fast immer erst nach jahrelang währender Erkrankung  diagnostiziert und therapiert. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 18-24 Monaten  nach Diagnosestellung, könnte jedoch deutlich höher liegen, wenn der z.T. recht schnell  fortschreitende Prozess der Degeneration im Gehirn durch möglichst frühe Diagnostik und  umgehende Therapie zumindest verlangsamt wird. Deshalb empfiehlt es sich, als  verantwortungsvoller Hundebesitzer seinen Haustierarzt auf die regelmäßige geriatrische  körperlich und ethologisch-neurologische Untersuchung hinzuweisen.  Natürlich bedeuten die aufgeführten Symptome nicht automatisch ein Vorliegen der CD,  sondern können differentialdiagnostisch andere organische Ursachen haben. So sind  nachlassende Seh- und Hörfähigkeit (Sinnesleistungen) durchaus auch häufig Folge von  Erkrankungen der Augen und Ohren (Glaukom, chronische Otitis, u.a.). Ebenfalls häufige  Erkrankungen älterer Hunde sind endokrine Störungen, Schilddrüsendysfunktionen,  Harnwegsinfektionen, Herz-Kreislauferkrankungen, neurologische Erkrankungen (Discopathien),  chronische Schmerzzustände des Bewegungsapparates (HD-Syndrom, Arthrose, u.ä.), die  ebenfalls derartige Verhaltensauffälligkeiten bedingen, ohne jedoch als quasi  „Alzheimerpatienten“ zu gelten.  Check-up-Liste – Verhaltensauffälligkeiten, die ein Hinweis auf das „CD-Syndrom“ sein können: 1.   Desorientierung / Demenz (verzögertes Erkennen / Nichterkennen von Familien-    angehörigen, bekannten Personen, Objekten, Orten)  2. Verlust der Stubenreinheit (z.T. übliches Bemerkbarmachen vor nötigem Gassi wird nicht    mehr gezeigt oder der Hund sitzt nicht mehr vor der Haustür, sondern vor einer Zimmertür    = Entkopplung von wichtigen Kommunikationssignalen = Verwirrung und Verlust des    Ortsgedächtnisses bzw. Bevorzugung neuer Untergründe – Harnabsatz auf Beton statt  auf Gras)  3. Veränderung sozialer Interaktionen 3.1.     in Bezug auf Personen:  weniger freudige Begrüßung, Geschwindigkeit und  Zuverlässigkeit der Kommandobefolgung lässt nach, Interesse  am Spiel geht verloren, reizbarer und aggressiver gegenüber  bekannten Personen  3.2.  in Bezug auf Artgenossen: weniger Spielintention, aggressive Übergriffe auf        den Hund, Hund selbst aggressiver  4. Veränderung des Schlaf-Wach-Zyklus , längere Schlafphasen am Tag + kürzere   Schlafperioden in der Nacht mit Bellen und Jaulen (ohne Kot- und Harndrang) bzw.    rastloses Umherirren  5. Apathie (auch kürzere Phasen)   6. Unruhe / Zittern / Tremor  7. zunehmendes Vokalisieren (Bellen, Winseln, Heulen) über längere Zeit ohne    ersichtliche Ursache (bes. nachts)  8. plötzlich auftretende Trennungsangst 9. verringertes Interesse an der Umwelt und / oder am Futter  10. plötzlich auftretende Stereotypien (rastloses Umherlaufen, Manegebewegungen,  Kreiseln, u.a.)  11. weniger anpassungsfähig gegenüber sich plötzlich verändernden Situationen 12. herabgesetzte Fähigkeit zur Stresskompensation Was kann man als Besitzer eines an CD erkrankten Hundes tun?      1.  Schnelles Aufsuchen des Haustierarztes zur gründlichen klinischen, neurologischen und          ethologischen Untersuchung + ggfls. Überweisung zum Tierverhaltenstherapeuten – dort           Aufstellung eines indiv. Therapieplanes + medikamentelle Therapie    2. Vermeiden von unnötigen Stressoren / Eruieren von Störgrößen / Trainingsansatz  verändern (eindeutige Signalgebung bei Kommandos – Verbindung von Sicht- und  Hörzeichen + zusätzliche Verstärker – Klicker, Pfeife) / Trainieren von einfachen  Kommandos mit überschwänglichem Lob bei erfolgreicher Ausführung – Selbstwertgefühl  und Motivation des Hundes wird gestärkt (zu beachten ist dabei die längere Reaktionszeit  – also Ausführung der Kommandos abwarten!)  3. Führen Sie Ihren Hund mehrmals täglich auf kürzere Spaziergänge, um ihn so für die  Umwelt zu begeistern!  4. Spielen Sie mit Ihrem Hund so oft es geht mit Bällen oder begeistern Sie ihn für Rückruf-  oder Partnerspiele (gemeinsames Balancieren über einen Baumstamm) – dies führt zur  Festigung der Besitzer-Hund-Beziehung!  5. Alte Hunde werden in Bezug auf die Sauberkeit wieder zu „Welpen“, d.h., es wird unter  Umständen notwendig sein, ihm die Stubenreinheit erneut beizubringen. Gehen Sie dafür  häufiger als früher mit ihm Gassi, besonders nach dem Schlafen, nach dem Fressen und  nach Spielsequenzen und loben Sie ihn ausgiebig, wenn er draußen auf dem Rasen  eliminiert.   6.  Gewähren Sie Ihrem Hund ausreichende und ungestörte Ruhephasen bzw. Schlaf!  Die medikamentelle Therapie ermöglicht ein Überleben von bis zu 2 Jahren!!!