Tierärztliche Gemeinschaftspraxis und Praxis für Verhaltenstherapie Dr. med. vet. Iris Schulte Dr. med. vet. Ronald Lindner Zusatzbezeichnung Tierverhaltenstherapie Tel:  0341 / 3584660 Mobil: 0175 / 3800352 Fallbeispiele Katze Kratzverhalten von Katzen und die Bedeutung als Markierverhalten Weshalb kratzen Katzen mit den Vorderpfoten an Gegenständen? Katzen kratzen mit den Pfoten nicht nur, um sich ihre Krallen zu schärfen, sondern um   optisches und geruchliches Markierverhalten zu zeigen. Dieses angeborene Verhalten dient   insbesondere im Mehrkatzenhaushalt der territorialen Abgrenzung, der Kommunikation und   der Beruhigung bei hohem Stresslevel. Das Markierverhalten von Katzen stellt dabei niemals   eine Protestreaktion, sondern natürliches Verhalten dar!    Lernprozesse und Suchtentwicklung – das Entstehen von Stereotypien bei Katzen Wie erklärt sich der Zusammenhang zwischen auftretendem Stress, dem Konflikt, in den die Katze darüber gerät und ein Suchtverhalten ausbildet? Katzen reagieren sehr sensibel auf alle Einflüsse und Veränderungen in häuslicher Umgebung   mit ängstlichem Verhalten. Hält der Stress längere Zeit an, gerät das Tier irgendwann in einen   Konflikt zwischen Annäherung und Flucht. Annäherung und Flucht jedoch hemmen sich   gegenseitig, wobei fest „verdrahtete“ Verhaltensabläufe entkoppelt werden. Die betroffenen   Katzen sind bestrebt, diesen ständig anhaltenden Stresslevel abzubauen. Über den Konflikt   zwischen Annäherung und Flucht zeigen sie ein sogenanntes  „Übersprungsverhalten“, dass   heißt, ein Verhalten, was der momentanen Situation nicht entspricht (hier: Katze leckt sich),   wohl aber zum Stressabbau führt. Das Tier lernt  bei einem speziell auftretenden Stressfaktor   sein Fell zu putzen, wobei der Stress vermindert und das Wohlbefinden darüber verbessert   wird (Serotonineinfluß). Bei länger andauernden Vorgängen verändert sich der   Gehirnstoffwechsel, ein permanentes Suchtverhalten als Stereotypie wird etabliert und fortan   unabhängig davon gezeigt, ob der äußere Stressor momentan noch besteht oder nicht. Das   Lecken des Fells wird als Stressabbaumöglichkeit erlernt und als mögliche Konfliktlösung in   das Verhaltensinventar der Katze aufgenommen.    Weshalb ist die Therapie einer Stereotypie als Erkrankung essentiell notwendig? Die Therapie einer Stereotypie als Erkrankung (besonders II.-III. Grades) ist keine   Ermessensfrage mehr, sondern ist im Sinne des geltenden Tierschutzgesetzes obligat. Der   Einsatz von Psychopharmaka ist besonders sinnvoll, da es ab dem Stadium II der Stereotypie   bereits zu einer Entgleisung des Belohnungssystems kommt. Ohne den Einsatz von   Antidepressiva kann es zu einer raschen Entgleisung in das III. Stadium kommen, das   unbehandelt zur völligen physischen Erschöpfung und zum Tode (Ex.let.) führen kann! Der   generelle Einsatz von Psychopharmaka ist besonders dann angezeigt, wenn die Lernfähigkeit   des Tieres ohne Arzneimittel-Einsatz als nicht gegeben angesehen werden muss